© Gerd Börner                                                                                                                                                                                                                                                                                      home

 

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Falludscha

 
     

 

 

Auf dem Tisch steht schon eine Riesenplatte mit zurecht gemachten Broten. Die Pfälzer Leberwurst ist mit hauchdünnen Scheiben Gewürzgurken belegt. Nach der Mahnwache für den Frieden treffen wir uns heute zum Fernsehen in unserer Wohnung. Sie rufen jetzt schon zum zweiten Mal, ich wolle doch die Nachrichten sehen und müsse mich nun aber wirklich beeilen. Ich antworte etwas ungeduldig, weil ich noch mit den Getränken beschäftigt bin: Wasser, Saft und zwei Friedenswächter wollen Tee. Bürgerkrieg in Falludscha, die Stadt ist verwüstet. Überall liegen Leichen – Fraß für die streunenden Hunde. Ich habe Zucker und Zitrone vergessen. Kämpfen die Marines gegen die Sunniten oder gegen die Schiiten oder alle gegen alle? Die Diskussion wird immer lauter. Die Operation „Morgendämmerung“ hat neue Fronten geschaffen und neuen Hass. Ich bitte, doch das Radio auszumachen. Beiläufig habe ich noch mitbekommen, dass das Konzertpodium einen Schubertabend sendet. Über Schubert lasse ich sonst nichts kommen - heute aber ist die Abendschau wichtiger: Das Fernsehen hatte unsere Schweigestunde für den Frieden besucht und wollte über uns berichten.

Im Morgengrauen.

Der Fluss schwimmt mit dem Nebel

flüstert nur