Kurz-Rezension zum Haiku von Ulrich Beyling

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Sonnenuntergang -

den Mond entdecke ich erst

beim Ruf der Dohle

                                                                                Ulrich Beyling

 

 


Farbenprächtig verschwindet das Licht hinter dem Horizont. Das Spektakel dieses glühenden Sonnenuntergangs fasziniert den Beobachter derart, dass ein anderes Ereignis noch nicht wahrgenommen wird. Erst durch den Ruf der Dohle suchen wir mit dem Autor spontan den Himmel und die Baumwipfel ab - und staunend entdecken wir den stillen Aufgang des Mondes. Beim Krächzen des kleinen Rabenvogels wenden wir uns ab vom Lärm der Farben und genießen die aufkommende feine Stille des Abends. Trotz traditioneller Silbenstruktur gibt es keine überflüssigen Worte, kein Füllsel, die die Silbenzahl bedienen. Das Haiku ist in kraftvollen Bildern komponiert und begeistert durch seine Synästhesie, die wie nebenbei, mehrere Sinne anspricht.

GB

 
 
 
Erstveröffentlichung: Sommergras März 2011